Saturday, 11.February.2012, 01:07

Die Gundelrebe

Posted by FeskeBerlin on Donnerstag, April 15, 2010, 9:43
Ein Artikel aus der Rubrik Vermischtes

Die Gundelrebe
(Glechoma hereracea)

Die Gundelrebe hat vielerlei Namen, man kennt sie auch als Gundermann, Erd-Efeu, Kranzkraut oder Gundelreif. Dies hat natürlich seine Bewandtnis im symbolträchtigen, vorchristlichen Wortschatz.:
„Gund“ war bei den Kelten das Wort für Eiter. Wir alle kennen „Gundkrankheiten“, die immer langwierig und zäh sind: eitrige Wunden, eitrige Bronchitiden, chronische Stoffwechselkrankheiten, eitrige Blasen- und Nierenerkrankungen, Siechtum, Fäulnis (z.B. Furunkel, Abszesse) und kräftezehrende Erkältungen.

Foto: Martina Tolnai

Die Bezeichnung „Gundermann“ oder auch „Gundermännchen“ stammt aus der Zeit, als die Naturwesen dem Menschen noch selbstverständlich waren und ins alltägliche Leben einbezogen wurden. Hier handelte es sich um gute Pflanzengeister, die den Menschen wohlgesonnen waren und mit Tat und
(Heil-)Kraft halfen, wenn es notwendig war. Da wundert man sich nicht, dass zu Beltane (Nacht zum 1. Mai, früher 5. Vollmond nach der Wintersonnwende) Kränze aus der Gundelrebe gefochten wurden, die mit der fruchtbringenden und lebensspendenden Natur verbinden sollten.
Nach der Christianisierung galt der Gundermann als Schutzpflanze vor schlechte Einflüssen und Hexenflüchen. Er war das ganze Mittelalter hindurch bis in unsere Zeit hinein das „Milchzaubermittel“ auf allen Bauernhöfen. Gab eine Kuh nur wenig oder schlechte Milch, wurden im Stall Gundermann Kränze aufgehängt. In manchen Regionen war es üblich, die erste Milch nach dem Pflanzenaustrieb durch einen Gundermannkranz zu melken, um die Kühe vor Zaubern und Flüchen zu schützen.
Diese ausdauernde kleine Pflanze gehört zu der großen Familie der Lippenblütler, damit gehört sie natürlich zu den Sonnenpflanzen wie der Quendel und der Wiesensalbei. Sie zeigt sich von April bis Juni in ihrer schönsten Pracht: Die blühenden, aufragenden Teile tragen in den Blattachseln, als Scheinquirle angeordnet, wunderschöne hellviolette Blüten, die mit einem dunkleren Fleck auf der Unterlippe versehen sind. Im restlichen Teil des Jahres liegen die Stängel nahe dem Erdboden an und wurzeln oft an den Knoten neu wieder aus. An den erdnahen Stängeln entspringen die herzförmigen, am Rand gekerbten und gegenständig angeordneten Blätter, die der Gundelrebe ihr einprägsames Äußeres verleihen. Zu finden ist die Gundelrebe oft als immergrünes Wildkraut in Gärten, auf Wiesen und an Wegrändern, die ausreichend feucht gelegen sind. An trockenen Stellen fallen die Blätter kleiner aus.
Ihre Signatur spricht für das Annehmen der- und das Vertrauen in die wundertätigen Kräfte der Natur. Sie erlöst uns von dem starren Glauben, alles aus eigener Kraft erreichen zu müssen und lehrt uns das Annehmen können, das Loslassen von Zwängen und Mustern. So stolz, wie sie ihre blüten an aufrechten Stängeln zeigt, können auch wir uns zeigen
Die Gundelrebe, die in fast keinem Heilkräuterbuch fehlt, wird nach Möglichkeit frisch verwendet, denn nur so können ihre feinen ätherischen Öle – die ihr den ureigenen Geschmack geben – am besten zur Wirkung kommen. Da die Gundelrebe einen engen Bezug zur Milch hat, wird häufig empfohlen, statt einem Tee die frischen Blätter in Milch zu erwärmen und diese zu trinken. Nach heutigen Erkenntnissen macht dies auch durchaus Sinn, denn die wertvollen ätherischen Öle lassen sich am Besten in Fett, hier das Milchfett, ausziehen. Hildegard von Bingen empfiehlt speziell bei Lungenerkrankungen Ziegenmilch zu verwenden. Optimal ist natürlich ein Frischpflanzenpresssaft, der mit Alkohol haltbar gemacht werden kann.
Die in der Pflanze enthaltenen Bitterstoffe machen sie zu einem guten appetitanregenden und verdauungsfördernden Heilmittel. So können die jungen Blätter in einem pikanten Frühlingssalat zusammen mit anderen Wildkräutern verwendet werden oder – mit Zartbitterschokolade bestrichen – eisgekühlt als erfrischendes Dessert angeboten werden. Dem Wildkräutersalz gibt er eine würzige, markante Note und darf natürlich in keiner „Gründonnerstagssuppe“, auch „Grüne Neune“ genannt, fehlen.

Martina Tolnai
www.heilkraeuterfrauen.de

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