Saturday, 11.February.2012, 01:13

Gäste aus dem Norden

Posted by FeskeBerlin on Dienstag, Januar 19, 2010, 20:19
Ein Artikel aus der Rubrik Natur & Umwelt

Wildgänse zu Besuch am Niederrhein

von Julja Koch

In der Dämmerung liegen die kleinen, flachen Teiche vor uns. Am Horizont geht über dem kleinen Wäldchen die Sonne unter. Wer genau hinsieht, erkennt in der Luft die vielen schwarzen Punkte. Dann hören wir ganz leise die ersten Rufe. Lange Ketten von Wildgänsen sind es, die auf ihrem Weg zu den Schlafplätzen immer näher auf uns zu kommen.

Blässgänse

Die Gänse bieten am Niederrhein ein winterliches Naturschauspiel, das in jedem Jahr über 2000 Besucher anlockt. Im Näherkommen werden die trompetenden Rufe lauter, doch wir hören sie nur dumpf. Obwohl die Vögel durch das Fernglas zum Greifen nah erscheinen, trennt uns eine Scheibe Glas von ihnen. Wohlig warm und windgeschützt, sitzen wir in bequemen Sesseln, sodass die Winterexkursion ein bisschen einem Kinobesuch ähnelt. Denn Gänsefreunden und Naturliebhabern bietet die NABU-Station Kranenburg Busexkursionen zu den Vögeln aus dem Norden an. So ist ein Besuch bei den Wildgänsen stressfrei – nicht nur für die Touristen.

Größtes Rastgebiet Westeuropas
Bis zu 180.000 arktische Wildgänse fliegen im November aus den sibirischen Brutgebieten bei uns ein und überwintern in der Gegend zwischen Duisburg und dem niederländischen Nijmegen. Damit ist der Untere Niederrhein das größte Rastgebiet Westeuropas. Jahrzehnte der Verfolgung haben die Gänse den Menschen fürchten gelehrt. Beim kleinsten Verdacht fühlen sie sich bedroht und flüchten in die Luft. An den lauten Verkehr auf den Straßen dagegen haben sich die Tiere gewöhnt, er stört sie überhaupt nicht.

Einfliegende Bläss- und Graugänse

„Eigentlich fressen die Gänse den ganzen Tag. Drei Monate verbringen sie auf den Grünflächen in Rheinnähe, um sich Fett für den Rückflug anzufressen“, erklärt Exkursionsleiterin Andrea Schulze. „Wildgänse brauchen offenes Grünland. Wenn sie dort genug zu fressen finden, müssen sie nicht auf Ackerflächen ausweichen, wo sie großen Schaden anrichten können.“

Auf einer Wiese sitzen schon einmal 8.000 Gänse zusammen. Verständlich, dass die immer hungrigen Wintergäste bei Landwirten nicht unbedingt beliebt sind. Dabei ist das Aufschrecken der Vögel eher kontraproduktiv, sorgt es doch dafür, dass die Tiere noch mehr fressen müssen, um den Energieverlust auszugleichen. Wenn sie sich gestört fühlen, auffliegen und sich nur zehn Minuten bewegen, müssen sie später 150 Kilo Gras fressen, um die verlorene Energie zurückzugewinnen.

Gänseschonender Tourismus
„Wir können nicht von den Landwirten verlangen, den Gänsen gegenüber tolerant zu sein und sie nicht von ihren Feldern aufzujagen, und gleichzeitig zulassen, dass unaufgeklärte Touristen die Tiere aufschrecken“, findet Andreas Jünemann vom NABU Kranenburg. So entstand 1992 der Plan, Busexkursionen zu den Gänsen anzubieten. „Jeder kommt in den Genuss, die Tiere zu sehen, und zwar in einer naturverträglichen Weise“, so Jünemann. Und das kommt gut an. Auch wenn die Anreise der Gänsefreunde nicht ganz so weit ist wie die der Tiere, so kommt doch die Hälfte der Besucher aus einer Entfernung von 100 bis 200 Kilometern. Auch Reisegruppen aus Baden-Württemberg oder München sind nicht ungewöhnlich. „So sind die Exkursionen heute ein gutes Beispiel für funktionierenden, sanften Tourismus“, freut sich Jünemann.

lesen Sie hier weiter: Quelle: http://www.nabu.de

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